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Geschichte

Quellen der Staatlichkeit

Grosses Nowgorod als Quelle der russischen Staatlichkeit und Demokratie.

Als das Nowgoroder Land gelten weite Gebiete im Nordwesten und Norden Russlands, die unter der Regierung vom Grossen Nowgorod in einen staatlichen Verwaltungsbezirk im X. - XI. Jahrhundert vereinigt worden sind. Im uralten Nowgoroder Land liegen heute das Leningrader Gebiet, das Murmansker Gebiet, das Archangelsker Gebiet, das Gebiet Nischni Nowgorod, die Republiken Karelien und Komi, der Nenezkij Nationalbezirk, Teile vom Wologoder, Kirower Gebiet , Gebiet Perm, Teil von Estland.

Nowgorod als zukünftiges Zentrum des grossen Staates entstand in Priilmenje in der Mitte des IX. Jahrhunderts, in der Zeit der Wiederaufnahme vom Handelsverkehr zwischen Europa und Asien. Als Unterpfand für zukünftiges Stadtblühen wurde ihre günstige geographische Lage in der Mitte des Ostsee-Wolga-Handelsweges, der die Länder im Norden Europas mit dem arabischen Osten verbindete. Pelze aus nördlichen Ländern gegen hochkarätiges arabisches Silber – das wurde dem jahrhundertlangen Handelsverkehr zwischen Baltikum und der Wolga zugrunde gelegt. Die Wissenschaftler behaupten, dass etwa 80 000 Tonnen Silber als Katalysator für Wirtschaftsentwicklung der europäischen Länder durch russische Länder nach Europa im 8.-10. Jahrhundert ausgeführt worden sind.

Schon in dieser Hinsicht wurde die älteste Stadtgeschichte Prototyp des zukünftigen Schicksals Russlands, das mit der Zeit eine zentrale Stellung in Eurasien einnahm. Nowgorod, erstmals 859 in der Chronik erwähnt, gehörte zu den europäischen Städten, die sich dank den Wikingen, skandinavischen Kriegern und Kaufleuten, im Norden des Kontinents in dieser Zeit entwickelten. Die nächsten Nowgoroder Analoga im Norden Europas waren schwedische, dänische, polnische und norddeutsche Städte an der Ostseeküste aus der Wikingerepoche: Birka, Hedebju, Wolin, Truso.

Abgesehen von der Tatsache, dass Nowgorod eines der wichtigsten Stadtzentren auf den transeuropäischen Wegen im Frühmittelalter wurde, war seine Bedeutung in der russischen Geschichte durch untrennbare Verbindung der Stadtentwicklung mit der slawischen Besiedelung in Osteuropa verstärkt. Schon zum XII. Jahrhundert erschlossen die Ilmener oder Nowgoroder Slawen das Ilmenbecken und setzten ihre Wanderung durch grenzlose Gebiete im Nordwesten und Norden Russlands fort. Gelegt waren auf solche Weise die Territorialgrundlagen des grossen Staates, der sich von der Ostsee bis zum Ural und von Murmansk bis Torshok erstreckte.

In der Mitte des IX. Jahrhundert riefen die Nowgoroder den Warägerfürsten Rjurik, der mit den Militär-, Gerichts-und Rechtsschutzfunktionen beauftragt war. Rjurik, mit seiner Sippe und seinem Kriegsgefolge gekommen, wurde erster Nowgoroder Fürst und rief ins Leben die Fürstendynastie von Rjurikowitschi, die mehr als 700 Jahre alle russischen Länder regierten. Dieses Ereignis, aus 862 datiert, war als Ausgangspunkt der Geschichte Russlands noch vor der Revolution anerkannt.

Gerade in Nowgorod, im September 1862, war 1000-jähriges Jubiläum anlässlich der Entstehung des russischen Staates, zum Andenken an Rufung Rjuriks, prunkvoll gefeiert, hier stellte man majestätisches Denkmal, den Anfangsereignissen Nowgoroder und allrussischer Geschichte gewidmet, auf .

Die zweitwichtigste Handlung für die Schaffung des russischen Staates wurde Feldzug vom Fürsten Oleg, Woiwoden Rjuriks, aus Nowgorod nach dem Süden, Konstantinopel - der Hauptstadt des Byzantischen Reiches (882). Gekennzeichnet war dieser Feldzug durch Erscheinen eines neuen Handelsweges, als “Weg von Warägern zu Griechen” bekannt. Auf diesem Weg konnte Oleg das Kernstück des russischen Staates – Nowgorod – Smolensk – Kiew – bilden. Seit dieser Zeit bestanden zwei Polen Russlands – Nordpol (Nowgorod) und Südpol (Kiew). Der südliche Teil des neuen Staates brauchte ständigen Schutz und Anwesenheit der Fürsten, deshalb übersiedelten die Fürsten aus Priilmenje näher zu byzanzischen Grenzen.

In der Rolle unbeschränkter Herrscher in neuen Gebieten setzten die Kiewer Fürsten fort, im Nowgoroder Land zu dienen. Nowgorod öffnete den Weg ins politische Leben für Wladimir, einen ausserehelichen Sohn des Kiewer Fürsten Swjatoslaw. Gerade Wladimir konnte mit Hilfe der Nowgoroder die erste politische Krise bewältigen und wurde Kiewer Grossfürst nach der Eroberung von Polozk, Smolensk, Kiew 980. Er beendete auch die Vereinigung der russischen Länder in einen Staat mit der Taufe Russlands 988.

Mit Nowgorod war das Schicksal von Jaroslaw dem Weisen, einem anderen grossen Staatsmann im russischen Mittelalter, eng verbunden. Zweimal, 1015 und 1019, erhoben die Nowgoroder ihn mit Truppenhilfe auf den Kiewer grossfürsterlichen Thron. Dafür schuf Jaroslaw der Weise auf ihren Wunsch “Russische Prawda”, das erste Gesetzbuch, das verschiedenen Sozialgruppen Nowgorods Schutz vor der Fürstenwillkür gewährleistete.

Jaroslaw führte die Verwaltungsreform durch, änderte Fürstentümmer-und Ländergrenzen. 1034 löste er unabhängiges Pskower Fürstentum aus und übergab das Pskower Land unter die Regierung des Nowgoroder Fürsten und des Nowgoroder Bischofs.

Nowgorod, in der sumpfigen Gegend und dem feuchten Klima entstanden, brauchte seit ersten Tagen seines Bestehens die Sorge um vorbildliche Unterhaltung. Die Sorge für Unterhaltung der Stadtstrassen und der Dränage war Teil des Alltags der Stadtbewohner, die sehr schnell die Mechanismen der Selbstverwaltung entwickelten. In Nowgorod entstand ein kompliziertes, aber biegsames und balanciertes Selbstverwaltungssystem, als Volksversammlungsrepublik bekannt.

Schon 1136 verjagten die Nowgoroder zusammen mit den Vorortbewohnern, Pskowern und Ladogern, in der Volksversammlung den Fürsten Wsewolod Mstislawitsch und erklärten ihr Recht auf freie Fürstenwahl.

Seit der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts gewann die Verwaltung der Stadt und ihrer weiten Gebiete die Formen der Republik, und Nowgorod wurde einer der ökonomisch entwickeltesten und einflussreichtesten Städtestaate Europas. Im XVIII. Jahrhundert begannen die Nowgoroder Bojaren mit der Wahl von Posadniki, dann Tysjazkie, deren Teilnahme am politischen Leben des Staates allmählich immer weiter wurde. Seit 1193 wurde die Wählbarkeit von Erzbischöfen gebilligt. Von den Entscheidungen der mehrstimmigen und aus den “Parteigruppen” bestehendenden Volksversammlung hing oft auch das Schicksal der Nowgoroder Fürsten: sie wurden manchmal einige Male pro Jahr eingeladen und verjagt. In Jaroslawer Dworischtsche, in Konzy, auf den Plätzen und in den Strassen waren die Volksversammlungen, die über das Schicksal der ganzen Stadt entschieden.

Im XV. Jahrhundert, nach langen Jahrhunderten der Zersplitterung in Russland begann der Kampf um die Vereinigung der russischen Länder. Die Länder um sich herum zu vereinigen, versuchten das kleine Moskauer Fürstentum und der grosse russisch-litauische Staat, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckt. Wer das Nowgoroder Land angliederte, konnte im Kampf siegen.

Die Nowgoroder Bojaren, die Länder und Handelskapital hatten, waren zur Allianz mit Litauen geneigt, aber die Sympathien der Stadtbewohner gewann der Moskauer Fürst Iwan III. Letzten Endes scheiterte die Bojarenoligarchie. Der Beitritt Nowgorods zu Moskau (1478) schuf die Grundlage für die Einheit des russischen Staates, wurde offizielles Datum der Entstehung der Moskauer Rus.

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