Orthodoxenzentrum
Nowgorod als Bewahrer der tausendjährigen russischen Kultur und das älteste Orthodoxenzentrum Russlands
Nowgorod ist als eines der ursprünglichen Zentren der Christentumsverbreitung in den russischen Ländern bekannt. 990 kam der erste Nowgoroder Bischof – Joachim Korsunjanin - aus Kiew hierher. Die erste steinerne Sophia-Kathedrale wurde schon 1045-1050 gebaut und bezeichnete den endgültigen Sieg des neuen Glaubens in den Nordrusgebieten. Die wichtigsten Früchte der Christentumsverbreitung wurde das Eindringen des Schrifttums, in erster Linie des Gotteswortes. Der Alltag der Nowgoroder konnte ohne Gebet nicht auskommen. Während der archäologischen Ausgrabungen kommen Birkenrindekirchentexte oft vor. Eine der merkwürdigen archäologischen Entdeckungen ist ein Birkenrindebuch mit den Worten des sonntäglichen Abendsgebets.
In der Mitte des XI. Jahrhundert, nach der Spaltung der einheitlichen christlichen Kirche in orthodoxe und katholische, stand Nowgorod, das enge ökonomische Beziehungen zum katholischen Europa hatte, vor der Wahl zwischen Rom und Konstantinopel in der Rolle von politischen und geistigen Orientierungspunkten.
Ausser dem Status der ältesten Diözese Russlands war die Nowgoroder Diözese durch den erfolgreichen Kampf der Nowgoroder Herrscher für Bewahrung der orthodoxen Religion in Russland bei der Kirchenspaltung bekannt, das verursachte die Verleihung des Ranges der Erzbischöfe für sie. Eine besondere Kopfbedeckung der Nowgoroder Erzbischöfe, weisser Klobuk, im XIV. Jahrhundert aus Konstantinopel gebracht, ist heute Erkennungszeichen der russischen Patriarchen.
Auf Befehl des Nowgoroder Erzbischofs Ion wurde im Kreml die erste russische Sergij-Radoneshski-Kirche gebaut (1463). Diese Kirche zeigt die echte Geschichte der Beziehungen zwischen Nowgorod und Moskau, die immer ihre orthodoxe Einheit, einheitliche Vergangenheit und Zukunft empfunden haben.
Im XVI. Jahrhundert, in der Epoche von der Nationalideologiebildung in der Moskauer Rus, gewann die Sage über die Wanderung des Apostels Andrej durch zukünftige Nowgoroder Länder im I. Jahrhundert n.Chr. eine weite Verbreitung. In der Peterepoche war diese Sage bei der Schaffung von der Andrejewski Fahne, dem Wahrzeichen der russischen Marine, benutzt.