Auskunft über die Stadt.
Entstehung der Stadt. Die Besiedelung des Gebiets innerhalb des modernen Nowgorod gehört zur zweiten Hälfte des IX. –X.Jahrhunderts. In jener Zeit lag das Militärverwaltungszentrum von Priilmenje unmittelbar an der Quelle des Wolchows. Hier befand sich die befestigte Siedlung (Gorodischtsche), die den Transitwasserstrassenverkehr in Osteuropa – von der Ostsee der Wolga entlang nach dem arabischen Osten und auf dem Weg “von Warägern zu Griechen”, nach dem Süden nach Bysanz – kontrollierte. Seit Anfang des XIX. Jahrhunderts ist dieser Ort als Rjurikowo Gorodischtsche bekannt.
In der Mitte – der zweiten Hälfte des X. Jahrhunderts begann die lebhafte Besiedelung der Wolchower Ufer bei Gorodischtsche. Die Tonböden und die hügelige Landschaft zwangen die ersten Ansiedler den Strassenbelag und die Höfe zu pflastern, die Dränagesysteme von Entwässerungsgraben zu entwickeln.
Nowgorod im XI.-XII. Jahrhundert. Die Planung der ältesten Stadt war auf die Hauptverkehrsader – den Fluss Wolchow – orientiert. Am linken Ufer (auf der Sophienseite) entwickelte sich das Strassenbelagsnetz parallel und senkrecht dem Fluss, als Planungsdominante wurde hier die Sophie-Kathedrale (1045-1050). Ausser der axialen Slawnaja Strasse war der Marktplatz (Torg), ursprünglich etwa südlicher Jaroslawowo Dworischtsche gelegen, als Strassenmittelpunkt am rechten Ufer.
Schon im 11. Jahrhundert bildeten sich die Hauptverwaltungsbezirke – Konzy. Auf der Sophienseite gab es zwei – Nerewskij und Ljudin, auf der Marktplatzseite gab es ein – Slawenskij.
Das Erscheinen der Grossen Brücke (ungefähr am Ort der modernen Fussgängerbrücke), der Bau von der Stadtfestung (Detinez) sowie stürmisches territoriales Entwicklung der Stadt führten schon im XII. Jahrhundert zur Änderung der Sophienseiteplanierung, die einen radialen Charakter erwarb.
Zum XIII. Jahrhundert bekam das Gebiet zwischen Nerewskij und Ljudin Konzy den Namen “Zarorodje” und später "Zarorodskij konez". Noch ein Konez, Plotnizkij, wurde im XII.-XIII. Jahrhundert auf der Marktplatzseite, im Norden von Slawenskij Konez, gebildet. Die Stadtkonzy hatten eigene Verwaltung und bildeten die Grundlage für demokratische Ordnung des Nowgoroder Staates des 14.-15. Jahrhunderts in Form proportionaler Vetretung in obersten Machtinstitutionen (Wahlfunktionen von Posadniki und Tysjazkij).
Die Planungsentwicklung von Nowgorod wurde vom Kirchen-und Klösterbau innerhalb und ausserhalb der Stadt stark beeinflusst. Die Nowgoroder Pfarrkirchen waren in Kathedralenbezirke vereinigt: im 15. Jahrhundert hatte die Stadt sieben solche Bezirke, die über 160 Kirchen umfassten.
1372 begann die Wall-und Grabenerrichtung der Okolnij Stadt, wodurch die Grenzen der mittelalterlichen Stadt geschlossen wurden. Die Gesamtlänge dieser Erdbefestigung betrug über sieben Kilometer. Jede Stadtstrasse führte aufs Lande durch einen Durchfahrtsturm aus Stein, und dank dem durchgedachten System von Wassergraben und natürlichen Verbindungskanälen war die Dränage des Stadtterritoriums gesichert und waren die Grundstücke für die weitere Nowgoroder Entwicklung reserviert. Seit 1360 wurde die Stadt in den offiziellen Urkunden als Grosses Nowgorod genannt.
Die weitere Entwicklung der Stadtplanung kam auf Rechnung von Sloboda oder Zapolja im Vorort, die über die Grenzen der Okolnij Stadt hinaus, den Wegen von Stadtstrassen entlang führten. Auf solche Weise entstanden Zapolskaja Strasse, Koshewniki Sloboda, Preussische, Tschudinzewskoje, Nikitinskoje Zapolja.
Nowgorod im XVI.-XVII. Jahrhundert.
Nach dem Beitritt Nowgorods zu Moskau 1478 traf der Grossfürst Iwan III eine Reihe von Massnahmen zur baulichen Gestaltung der Stadt. Umgebaut war in erster Linie der Kreml, wo der Zarenstatthalter (Woiwod) untergebracht war. 1508 kam in die Stadt der Bojar Bobr, der einen Auftrag hatte, die Marktplätze, Reihen zu regeln und die Strassen “auf Moskauer Art” zu markieren. Im XVI. Jahrhundert erlebte die Stadt einige furchbare Brände, aber im grossen und ganzen blühten seine Wirtschaft, Wohn-und Tempelbau bis zum Überfall von Opritschniki mit Iwan dem Schrecklichen an der Spitze (1570). Während des Krieges im Livland (1582), der für Russland missgelungenen war, waren um dem Kreml herum mächtige Erdbastionen errichtet, auf ihrem Platz liegt der Kremler Park heute. Vollendet wurde der Stadtverfall durch schwedische Besetzung von 1611-1617, danach gab es auf der Sophienseite nur 25 Höfe, und auf der Marktplatzseite mehr als 100 kaum.
An der Grenze vom XVII. –XVIII. Jahrhundert wurde die Altstadt mit einem Komplex von Verwaltungs-und Handelsgebäuden geschmückt: gebaut wurden der steinerne Woiwoden Hof im Kreml, die halbsteinerne Brücke über den Wolchow, der Gasthof auf der Marktplatzseite.
Die Neuplanung des XVIII. Jahrhunderts.
Im Laufe des gesamten XVIII. Jahrhunderts wurde in Nowgorod versucht, die Neuplanung der Stadt entsprechend den veränderten Vorstellungen über Städtebau durchzuführen. Nach der Hauptstadt Petersburg und anderen russischen Städten wurden die Pläne der sogenannten “regulären Planung” auch in Nowgorod gestellt. Der Generalplan von 1778, von N.Tschitscherin gestellt und von der Kaiserin Katharina II unterschrieben, sah die Aufbewahrung der radial-halbrunden Planung auf der Sophienseite, der rechtwinkeligen Planung auf der Marktplatzseite Nowgorods vor. Obwohl die Realisierung dieses Plans bis jetzt nicht beendet ist, bewahrt die Altstadt Nowgorods die Planung, dessen Grundstein in Entwurfsplänen des XVIII. Jahrhunderts gelegt worden ist.
Das moderne Nowgorod.
Im Laufe des XVIII. – XIX. Jahrhunderts entwickelte der Steinbau in Nowgorod. Die neue Stufe in der Stadtbaugeschichte begann nach dem Grossen Vaterländischen Krieg, in dessen Folge Nowgorod und seine architektonischen Denkmäler praktisch völlig zerstört worden waren.
1945 entwarf der bekannte Architekt A.W.Schtschusew den Generalplan für Entwicklung Nowgorods, der die Aufbewahrung der historischen Stadtbaugrundlagen und die Entwicklung der Geschichte-und Museuminfrastruktur vorsah. Aber schon in den 1950-er Jahren wurde die Stadt mit Industriebetrieben und Blockwohnhäusern stürmisch bebaut, vergrösserte ihre Fläche mehrmals und verlor viele uralte Bestandteile ihrer Planung wie den Fluss Gsen, Fjodorowskij Bach, Wall-und Grabenteile der Okolnij Stadt.
In den 1980-1990-er Jahren begann die moderne Stufe der Städtebauänderungen – die Stadt erweiterte sich in der Richtung nach dem Norden und Westen, in die historische Stadt drang der Privatbau verschiedener Stile meistens ein, im Vorort entstanden die Siedlungen mit Einzelhäusern.
1999 war der Name “Grosses Nowgorod” der Stadt zurückgegeben.